Pablo Picasso
Suite Vollard – Sein graphisches Meisterwerk

Auf Anregung seines Verlegers und Kunsthändlers Ambroise Vollard (1866 – 1939) schuf Pablo Picasso in den Jahren von 1930 bis 1937 die Suite Vollard als Folge von insgesamt 100 Radierungen. Die Kupferplatten, die in Picassos Pariser Atelier und auf dem Landschloss Boisgeloup in der Normandie entstanden, wurden 1939 in derWerkstatt von Roger Lacourière gedruckt, jedoch auf Grund des Kriegsausbruchs erst nach 1945 vermarktet. Nur wenige Serien konnten vollständig verkauft werden, so dass heute die meisten Radierungen als Einzelblätter oder kleinere Werkgruppen in unterschiedlichen öffentlichen und privaten Sammlungen verstreut sind. Die Suite Vollard, die das Kunstmuseum Heidenheim zeigt, stammt aus der Sammlung des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr, das über 89 Original-Blätter und elf Nachdrucke verfügt.

Die Bedeutung der Suite Vollard besteht nicht nur in ihrem Umfang, der in Picassos graphischem Werk einmalig ist, sondern vor allem in den Themen, die sie aufgreift. Die Auseinandersetzung mit seinem künstlerischen Vorbild Rembrandt, das Verhältnis von Künstler, Modell und Kunstwerk, insbesondere Szenen aus dem Atelier des Bildhauers, der Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau sowie der Mythos vom Minotaurus sind zentrale und wiederkehrende Themen in Picassos Werk. Diese variiert er mit der Radiernadel, dem Grabstichel und erstmals mit der Technik der Aquatinta auf vielfältige Weise.

Somit bildet die Suite Vollard nicht nur den krönenden Höhepunkt und Abschluss der Zusammenarbeit mit dem passionierten Galeristen, sondern zeigt auch Picassos außergewöhnliches handwerkliches Geschick, seine unbändige Experimentierfreude und das Spektrum seiner auch für das Gesamtwerk wichtigen Schlüsselthemen.

Ergänzt wird die Suite Vollard durch die Präsentation der Graphikfolge Das unbekannte Meisterwerk, die 1927 ebenfalls von Ambroise Vollard herausgegeben wurde. In den Illustrationen zu Honoré de Balzacs gleichnamiger Novelle beschäftigt sich Picasso erstmals im Medium der Graphik mit dem Schlüsselthema Künstleratelier und damit mit der Frage nach dem Verhältnis von Maler, Modell und Kunstwerk und dessen Bedeutung für den kreativen Schaffensprozess.