PapierKunst
Papier als künstlerisches Medium

Anlässlich der Literaturtage Baden-Württemberg, die unter dem Motto „Papier“ stehen und damit das Papier als Träger von Texten thematisieren, präsentiert das Kunstmuseum Heidenheim eine Ausstellung, die Papier nicht als Träger von Kunstwerken, sondern als Material für Kunstwerke vorstellt. Im Zentrum der Ausstellung steht also nicht Kunst auf Papier, sondern Kunst aus Papier.
Die Entdeckung des Papiers als künstlerisches Medium ist noch relativ jung. Erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts rückte der Bildträger Papier ins Zentrum künstlerischer Recherchen. Mit dem Schnitt in eine weiß grundierte Leinwand, d.h. mit der bewussten „Aufhebung“ ihrer traditionellen Funktion, hatte Lucio Fontana 1958 den Bildträger Leinwand erstmals zum primären Ausdrucksmittel gemacht und damit eine höchst folgenreiche Entwicklung ausgelöst. Während sich in der Malerei die Aufwertung der Leinwand auf das Verändern der äußeren Form des Bildes (Frank Stella), das Aufschlitzen der Leinwand (Fontana) oder das Aufpolstern der ursprünglich ebenen Fläche (Gotthard Graubner) beschränkte, vollzog sich derselbe Prozess im Medium des Papiers jedoch ungleich differenzierter.
Denn im Gegensatz zur auf Keilrahmen gespannten Leinwand bietet das Papier als Material wesentlich reichere Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Papier, Papiermasse oder Karton können zerrissen, zerknüllt, zerschnitten, zerfetzt, geschlitzt, geschabt, abgeschliffen, zerkratzt, durchlöchert, verbrannt, geklebt, geflochten, gefaltet, gestanzt, geprägt, geschichtet, gestapelt, gerollt usw. werden.
Diese vielfältigen Möglichkeiten der Gestaltung mit Papier demonstriert die Ausstellung PapierKunst anhand herausragender Werke, die direkt die spezifischen Intentionen und Strategien einzelner Künstler oder ganzer Kunstrichtungen reflektieren. Damit gibt sie nicht nur einen Einblick in die unterschiedlichen Möglichkeiten der Gestaltung mit Papier, sondern zugleich auch einen Überblick über die bedeutendsten Entwicklungen in der Kunst seit 1960 wie Zero, Colourfield Painting, Konstruktivismus und konkrete Kunst, Nouveau Réalisme, Minimal Art, konkrete Poesie, Objektkunst u.v.a.m.
Die Ausstellung mit über 100 Bildern, Reliefs, Collagen, Décollagen und Plastiken basiert auf der Papierkunst-Sammlung der Städtischen Galerie Villa Zanders Bergisch Gladbach, die sich als einzige öffentliche Sammlung dem Papier als künstlerischem Medium widmet. Ergänzt wird sie durch Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus Land und Region.